Kinder, Familien, Jugend und Senioren im Fokus

Barrierefreiheit vs Barrierearmut

Das Konzept der Barrierefreiheit ist an und für sich eine hervorragende Sache. Doch ist sie überhaupt möglich? In einigen Gebäuden steht dem Prinzip der Denkmalschutz im Weg. Ein Beispiel sind die Blindenleitstreifen an der Kirche Ludwigstraße. Diese Streifen sind generell entweder weiß auf dunklem Untergrund oder schwarz auf hellem Untergrund. Das hilft sehbehinderten Menschen, die nicht völlig erblindet sind, die kontrastreichen Streifen zu erkennen, um sich so besser orientieren zu können. Rund um die Ludwigstraße sind diese Streifen in einem ähnlichen Farbton wie der dort liegende Asphalt. Ob der Denkmalschutz hier tatsächlich der Grund ist, kann ich nur vermuten. Sicher ist: es gibt überall Kompromisse und die müssen ausgehandelt werden.

Wem hilft was?

Veränderungen im öffentlichen Raum können auch für eine bestimmte Gruppe sehr hilfreich sein, andere jedoch zusätzlich einschränken. Abgesenkte Bordsteine sind beispielsweise eine ideale Lösung für gehbehinderte Menschen – für sehbehinderte Menschen jedoch bedeuten sie eine weitere Gefahrenquelle.

100%ige Barrierefreiheit ist daher unmöglich. Ich spreche daher eher von Barrierearmut, also dem Versuch, so vielen Menschen wie möglich, Zugang und Teilhabe am öffentlichen Leben zu ermöglichen. Wie bei allen Themen ist es unabdingbar, mit Interessenverbänden ins Gespräch zu kommen, um den akuten und tatsächlichen Bedarf zu definieren, um dann Kompromisse zu schaffen, die wirklich viele weiterbringen, statt noch mehr auszugrenzen und/oder Gelder für gut gemeinte aber nutzlose Veränderungen zu verschwenden.

Sprache als Barriere

Sprechen wir mal Klartext: Die Verwaltung ist die Übersetzerin des Rechts für alle Bürgerinnen und Bürger. Und damit auch für Menschen, die Behördensprache nicht gewohnt sind (zB. junge Menschen), die komplizierte Sprache nicht verstehen oder einfach nicht gut genug Deutsch sprechen, um rechtssicher handeln zu können.

Ich bin sicher, dass wir alle bereits mal vor einem Schreiben vom Amt oder ähnlichem saßen und uns gefragt haben, was man von uns will, oder? Mir ging es schon oft so und Deutsch ist meine Muttersprache. Wie sollen Menschen mit Migrationsgeschichte, die teilweise wirklich nur die Grundlagen unserer Sprache beherrschen, diese meist immens wichtigen Schreiben verstehen und entsprechend handeln? Immerhin: Die Stadtverwaltung und Ihre Tochtergesellschaften setzen sich für eine verständliche Kommunikation ein. Das unterstütze ich und möchte da die nächsten Schritte gehen.

Mit wem reden wir und wie?

Das gilt insbesondere für Krisensituationen und Notfälle. Hierfür sind Texte und auch Audiodaten vorzubereiten, die nach Bedarf verwendet werden können. Auch hier müssen wir die Zielgruppen genau definieren. Fremdsprachen, Bildsprache, einfache Sprache spielen dabei eine besondere Rolle. Mein Vorschlag: Die in Wuppertaler Haushalten gesprochenen Sprachen werden in einer Umfrage erfasst und nicht mehr rein aus Nationalitäten abgeleitet. Daraus ergibt sich eine bessere Sicht auf den Bedarf, den es abzudecken gilt.

Mehr als nur Kinderparkplatz

Dass unsere Kinder unsere Zukunft sind, ist kein neuer Gedanke und geht auch weit über die Finanzierung unserer Renten hinaus. Umso wichtiger, dass wir für eine optimale Sozialisierung von Anfang an sorgen. Diese ist nämlich die Grundlage für das spätere Miteinander.

Kindertagesstätten müssen daher mehr sein, als reine Betreuungseinrichtung und Kinderparkplatz. Natürlich ist es wichtig, Eltern den Rücken frei zu halten, allerdings ist das eine Funktion, die nicht unter “Bildung” fällt. Eine gute Betreuung ist mit dem aktuellen Angebot leider kaum möglich.

Basis der Sozialisierung

Wir brauchen nicht nur stabile Beziehungen in den Familien – auch unser Angebot als Stadt muss passen. Wir müssen den Kindern ermöglichen, eine persönliche, wohlwollende und krisenfeste Beziehung zum KiTa-Personal aufbauen zu können. Dafür benötigen wir nicht nur mehr Angebote, sondern auch mehr Personal. Werden diese Grundsteine nicht zum richtigen Zeitpunkt gelegt, ist die Sozialisierung und somit die Grundlage für das Zusammenleben als Gesellschaft in Gefahr.

Vereine können wir

Deutschland gilt als Land der Vereine und auch in Wuppertal sind rund 64.000 Menschen in Vereinen aktiv – teilweise im Ehrenamt. Und das macht total Sinn, denn Vereine sorgen für einen Vielfalt an tollen Dingen für unsere Stadtgesellschaft. Hier kommen Menschen zusammen, die ein gemeinsames Interesse haben, aber sich im Alltag vielleicht nie begegnen würden. Wieviele Menschen ich durch meinen Einsatz alleine im Laufsport über die Jahre kennengelernt habe, kann ich gar nicht mehr zählen.

Vereine verbinden

Vereine sind ein wichtiger Teil unseres Zusammenlebens in der Stadt. Sie benötigen Unterstützung, Plattformen und ehrenamtliche Mitarbeitende. Egal, ob Sport-, Kultur-, Förder- oder Bürgervereine – ich möchte diese Orte der Begegnung und Aktivität unterstützen und ausbauen.